Volt Münster

Gemeinsamer Brief der Ratsleute aus Osnabrück und Münster

In einem gemeinsamen Brief an Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe haben Ratsmitglieder der Partei Volt aus Münster und Osnabrück heute dazu aufgerufen, eine Friedenserklärung in der Tradition des Westfälischen Friedens aufzusetzen. Im Jahr vor der 375-Jahr-Feier und in der aktuellen Situation in der Ukraine müssen unsere Friedensstädte vorangehen und ein Zeichen für Hilfe und Solidarität setzen.

Christoph Kühn, Ratsmitglied im Rat der Stadt Osnabrück erklärt:

“Die Eskalation in der Ukraine trifft in eine Zeit, in der sich unsere Städte auf das 375. Jubiläum des Westfälischen Friedens vorbereiten. Die Frage, ob die Menschheit einen Westfälischen Frieden für das 21. Jahrhundert braucht, wird im Rahmen der Vorbereitungen vielfältig thematisiert. In den letzten Tagen wurde die Antwort auf diese Frage leider einseitig durch die russische Staatsführung vorweggenommen.“

Tim Pasch, Sprecher der Volt Ratsgruppe im Rat der Stadt Münster erklärt:

„Die Gründung der Europäischen Union legte den Grundstein für währenden Frieden unter den Mitgliedstaaten. Kriegsausbruch auf europäischem Boden erschien uns seit langer Zeit unrealistisch und weit weg. Als Städte des westfälischen Friedens müssen wir nun für Freiheit, Souveränität und Freiheit entschlossen aufstehen und klare Signale an alle Aggressoren senden.“

 

Der Brief:

Sehr geehrte Frau Pötter,

sehr geehrter Herr Lewe,

1648 endete der Dreißigjährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden im Friedenssaal von Münster und Osnabrück. Der jahrzehntelange Konflikt, der unzähliges Leid und Zerstörung über weite Landstriche in Europa gebracht hat, wurde durch lange Verhandlungen und einen ungebrochenen Willen zur Verständigung beendet. Dieser Prozess zeigte früh, dass nachhaltiger Frieden und Wohlstand nur durch die Verständigung aller zu erreichen sind, und legte so die Grundlagen für das Völkerrecht und eine internationale Verständigung durch Diplomatie. Auch die heutige Europäische Union gründet auf den Errungenschaften dieser Ereignisse. Der damals beurkundete Wille zu einer friedvollen Völkerverständigung prägt bis heute unser Miteinander in Münster, Osnabrück und in den meisten Ländern Europas.

Im kommenden Jahr werden unsere Städte gemeinsam das 375 jährige Jubiläum dieses Friedens feiern. Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine zeigen aber, dass dieses friedliche  Miteinander nicht selbstverständlich ist.  Es ist unvorstellbar, dass im 21. Jahrhundert immer noch kriegerische Aktivitäten in Europa stattfinden. Dennoch ist es für  andere Menschen  bereits seit Jahren Realität.

Um der historischen Bedeutung Münsters und Osnabrücks als Städte des Westfälischen Friedens gerecht zu werden und auch in der aktuellen Situation ein Zeichen zu setzen, möchten wir,  als Ratsmitglieder unserer Städte, Sie auffordern, eine gemeinsame Erklärung für den Frieden aufzusetzen und an die Öffentlichkeit abzugeben. Diese Friedenserklärung soll Solidarität gegenüber der Ukraine als souveränen Staat und ihrer Bürger*innen ausdrücken. Die gemeinsame Erklärung unserer Friedensstädte soll auch den Würdenträger*innen unserer Partnerstädte  mit der Einladung zur Unterzeichnung zugesandt werden  und weitere Städte in ganz Europa zum Unterzeichnen motivieren. Der Gedanke von Freundschaft, Partnerschaftlichkeit und Diplomatie muss weithin über Landesgrenzen sichtbar sein und sich den expansionistischen und aggressiven Taten einer nationalistischen Staatsführung in Russland geschlossen  entgegenstellen.

Als sichere Häfen stehen Münster und Osnabrück in besonderer Verantwortung, Geflüchteten Schutz zu bieten und auch andere Städte und Gemeinden zu einer solidarischen Haltung zu motivieren. Daher fordern wir die Verwaltungen von Münster und Osnabrück auf, proaktiv alle Maßnahmen zur gesicherten Aufnahme von Geflüchteten zu ergreifen und deutlich zu signalisieren, dass wir Platz und Hilfe für Geflüchtete haben.

Um ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu senden, sollen in beiden Städten die für den Frieden in Europa symbolträchtigen Rathäuser in den Nationalfarben der Ukraine beleuchtet werden.

Gezeichnet

Christoph Kühn,

Ratsmitglied im Rat der Stadt Osnabrück 

 

Tim Pasch, 

Sprecher der Volt Ratsgruppe im Rat der Stadt Münster

 

Helene Goldbeck,

Ratsfrau im Rat der Stadt Münster